Mit einem Dank an all jene, die tagtäglich praktische Integrationsarbeit leisten, begann Klaus Wowereit seinen Ausblick. Der stellvertretende Parteivorsitzende der SPD und Leiter der Zukunftswerkstatt Integration der Sozialdemokratie rückte zu Beginn die Maßstäbe zurecht: Es gebe Probleme in der Integration, aber sie sei auch millionenfach gelungen.
Es sei unverständlich, wie man auf die Idee kommen könnte, Menschen wollten absichtlich keine Zukunftschancen und nicht das Beste für ihre Kinder, griff Klaus Wowereit einen Gedanken auf, der in der Konferenz geäußert wurde. Menschen seien nicht hergekommen, um sich abzukapseln, sondern weil sie in ihren Ländern keine Perspektive für sich oder ihre Kinder gesehen haben.
Wowereit empfahl, die Integrationsdebatte weiter zu fassen: "Es ist keine Ausländerthematik, sondern immer eine Frage von Teilhabe." Unterschiedliche Probleme könnten zu Ausgrenzung führen.Für den einen sei es die Schwierigkeit, die Staatsbürgerschaft zu bekommen. Ausgegrenzt fühle sich aber auch die Rentnerin mit 600 Euro, die sich die Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen nicht leisten könne, oder die Mutter mit vier Kindern ohne Migrationshintergrund. Für alle müsse es Möglichkeiten zur Teilhabe geben. Berlin habe als Stadt nur eine Chance, wenn sie sich international aufstellt und Menschen aus unterschiedlichen Minderheiten integriert, so Klaus Wowereit.
Er wies auf die Bedeutung von Bildung hin, auf die Schulstrukturreform, mit der die Bildungschancen verbessert werden sollen. Es gehe um die Suche nach den besten Konzepten, um Defizite auszugleichen. Kita und Schule seien nicht nur Orte, wo Wissen vermittelt wird. "Heute ist soziales Lernen wichtig." Schule sei nicht mehr der abgekoppelte Raum, getrimmt auf Abschlüsse. "Schulen sind Mittelpunkt unserer Gesellschaft:"
Jugendliche dürften bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz nicht anhand des Fotos oder des Namens aussortiert werden. Hier gebe es ein riesiges Reservoir, das nicht brachliegen dürfe.
Wowereit warb dafür, die Suche nach Lösungen nicht mit der Forderung nach mehr Geld zu beenden. Es gehe darum, Dinge auch neu zu denken und bestehende Projekte regelmäßig auf Wirksamkeit zu überprüfen. Integrationsarbeit sei eine lohnenswerte Arbeit. In der aufnehmenden Gesellschaft müsse eine Willkommenskultur etabliert werden, es müsse andererseits aber auch den Aufstiegswillen geben.