Bereits zuvor hatte sich die Lichtenberger SPD in dem eineinhalbstündigen, locker moderierten Polittalk mit ihrem Programm für die Abgeordnetenhaus- und Bezirkswahlen präsentiert. „Unsere Vision ist das kinder- und familienfreundliche Lichtenberg“, erklärte der Bezirksbürgermeisterkandidat Andreas Geisel selbstbewusst, „trotz des mitunter wenig erfreulichen Images, das außerhalb des Bezirks anzutreffen ist, gibt es so viele Lichtenbergerinnen und Lichtenberger, die gerne in ihrem Kiez wohnen.“ Deshalb müssten die Stärken des Bezirks – allen voran die gut ausgebaute Infrastruktur im Bereich Kinderbetreuung und Bildung – herausgestellt werden, meinte der Kandidat, welcher selbst als Familiengründer in seinen Geburtsbezirk zurückzog, weil er die vielen Grünflächen, Spielplätze, Kitas und Schulen schätzte. „Wir verschweigen nicht, dass unser Bezirk nach der Wende viele Einwohner verloren hat“, pflichtete ihm die Spitzenkandidatin der SPD Lichtenberg für die Abgeordnetenhauswahlen Karin Seidel-Kamutzki zu, „aber die übergroße Mehrheit der Bürger begrüßt die Erfolge des Wandels in den letzten fünfzehn Jahren. Hohenschönhausen präsentiert sich heute als sehens- und lebenswerter Bezirk.“ Einen Eindruck von diesen Erfolgen vermittelten die drei Gäste aus dem Bezirk: Karsten Heyer vom Verein „Kiez für Kids Freizeitsport“ freute sich, dass seine Initiative mit dazu beiträgt, junge Familien in Lichtenberg zu halten. Matthias Stawinoga, Präsident des in Hohenschönhausen beheimateten SC Berlin, lobte das in den letzten Jahren umgesetzte Schul- und Sport-stättensanierungsprogramm des Senats. Er zeigte sich guter Hoffnung, dass auch bei den nächsten Olympischen Spieler wieder zahlreiche Leistungssportler aus Lichtenberg, die sich im „Club Peking 2008“ zusammengeschlossen haben, für Deutschland an den Start gehen können. Monika Rink vom GF Columbus Hotel schließlich brach eine Lanze für die mittelständischen Unternehmen im Bezirk, die – wie ihr eigenes Hotel – oft Ausbildungsquoten von bis zu 30% erreichten, auch unterstützt vom bezirklichen Projekt „AG Jugend und Wirtschaft des Wirtschaftskreises Hohenschönhausen-Lichtenberg e.V.“.
Danach warb Klaus Wowereit für seine Politik in der Stadt. Er freute sich über die WM-Begeisterung in diesem Sommer und dem Boom im Tourismus. Besonders unter den Nägeln brannte dem Regierenden Bürgermeister aber das Thema Arbeitslosigkeit. Anlässlich der drohenden Schließung des Bosch-Siemens-Hausgerätewerks in Spandau appellierte er an die Verantwortung der Unternehmen: „Diese Arbeitnehmer brauchen die Solidarität aller Berliner. Es mag ja sein, dass in unserer globalisierten Welt Waschmaschinenproduktion in Deutschland als nicht mehr rentabel erscheint. Dann haben wir aber auch die Erwartung an die großen Unternehmen, welche ständig damit beschäftigt sind, professionell den Markt analysieren zu lassen, rechtzeitig neue Produktlinien für den Standort zu entwickeln.“ Die Politik könne Rahmenbedingungen für Arbeitsplätze schaffen und dies sei in erster Linie, durch Anstrengungen im Bildungsbereich das Potenzial an gut ausgebildeten Menschen in der Stadt zu erhöhen. In diesem Kontext wolle er die Reformanstrengungen der Berliner SPD mit der Einführung der kostenfreien Kita und der in der Umsetzung begriffenen Schulreform begriffen sehen. An dieser Stelle sprach er den Lehrerinnen und Lehrern Berlins „ein dickes Lob“ für ihre tagtägliche Arbeit aus: „Die Lehrer haben heute einen ungleich schwereren Job als früher. Schule muss heute viel mehr Soziales leisten.“